Krankenversicherung · Versorgungswerk-Mitglieder

PKV im Versorgungswerk — kein Pflicht-Anker, aber meist die richtige Wahl.

Kammerberufe mit Versorgungswerk haben freie Wahl zwischen GKV und PKV. Die Tarif-Spezifika entscheiden, welche Wahl in 30 Jahren noch richtig ist.

Krankenversicherung

PKV im Versorgungswerk — kein Pflicht-Anker, aber meist die richtige Wahl

Versorgungswerk-Mitglieder in Kammerberufen sind nicht gesetzlich krankenversicherungspflichtig — das Versorgungswerk regelt nur Rente und BU, nicht die KV. Du kannst frei zwischen freiwilliger GKV und PKV wählen. Das ist eine Freiheit, die gleichzeitig eine Entscheidung verlangt, die kaum rückgängig zu machen ist.

Die schärfste Rechnung liegt im Alter: Wer freiwillig in der GKV bleibt, zahlt im Ruhestand auf Versorgungswerk-Rente, Mieten und Kapitalerträge den Höchstbeitrag. PKV-Beitrag: einkommensunabhängig. Das ist die GKV-Falle — und sie trifft Versorgungswerk-Mitglieder härter als fast jede andere Berufsgruppe.

Wer als Versorgungswerk-Mitglied freiwillig in der GKV bleibt, zahlt im Ruhestand auf alles — Rente, Mieten, Kapitalerträge — den Höchstbeitrag. PKV: fester Tarifbeitrag. Das ist die schärfste Rechnung in der KV-Welt.

— Fabio Rausch · Versicherungskonsil

Wen ich konkret berate

Vier Kammerberufe — vier Versorgungswerk-Realitäten.

Jedes Versorgungswerk hat eigene Leistungs-Logiken. Was bei der Anwaltsversorgung gilt, ist bei der Apothekerversorgung anders geregelt — und beim Architektenversorgungswerk je nach Bundesland nochmal.

Versorgungswerk

Anwälte & Notare

Versorgungswerk der Rechtsanwälte. Bei freiwilliger GKV im Ruhestand zählen Anwaltsrente, Mieten und Kapitalerträge zur Beitragsbemessung — schnell beim Höchstbeitrag. PKV-Tarif: einkommensunabhängig.

Versorgungswerk

Steuerberater & Wirtschaftsprüfer

Steuerberaterversorgung. PKV-Vorauszahlung als Steuer-Hebel besonders wirkungsvoll bei den oft hohen Grenzsteuersätzen. AHB-Lücke gleicher Risiko-Stack wie bei Anwälten.

Versorgungswerk

Apotheker:innen

Apothekerversorgungswerk. Im Selbstständigen-Status klassische PKV-Logik plus Praxis-/Apotheken-Krediten — Beitrag muss langfristig planbar sein. Heilberufe-Spezialtarife oft günstig.

Versorgungswerk

Architekt:innen & Ingenieur:innen

Versorgungswerk der Architekten / Ingenieure (länderspezifisch). Einkommensvolatilität durch Projektgeschäft — Beitragsstabilitäts-Frage besonders relevant. Krankentagegeld-Bedarf höher als bei Anwälten.

Die drei Fallen

Drei Lücken, die spätestens mit 60 wehtun.

1

Falle 1

GKV-Beitragsfalle im Ruhestand

Versorgungswerk-Renten sind höher als gesetzliche Renten. Wer freiwillig in der GKV versichert bleibt, zahlt im Ruhestand auf alles — Versorgungswerk-Rente, Mieten, Kapitalerträge — den Höchstbeitrag (2026: bis zu rund 1.261 €/Monat inkl. Pflegeversicherung). PKV-Tarif: einkommensunabhängig fester Beitrag.

Konkret: Beispiel: 78 Jahre alt, 4.500 € Versorgungswerk-Rente + 2.200 € Mieten + 800 € Kapitalerträge = 7.500 €. GKV-Höchstbeitrag bei freiwilliger Versicherung: bis zu ≈ 1.261 € inkl. Pflege. PKV-Beitrag bei normaler Tarif-Wahl mit Beitragsentlastung: 600–900 €.

2

Falle 2

AHB / Anschlussheilbehandlung-Lücke

Versorgungswerke leisten in der Regel keine oder minimale Anschlussheilbehandlung. Eine notwendige AHB nach OP oder schwerer Erkrankung kostet 500–1.000 € pro Tag. Nicht alle PKV-Tarife decken AHB lückenlos — und genau das wird im Standard-Tarif-Vergleich nicht geprüft.

Konkret: Eine 4-wöchige AHB nach Hüft-OP mit Tagessatz 750 € = 21.000 €. Wer den falschen Tarif hat, trägt das selbst.

3

Falle 3

BU-Lücke gegenüber dem Versorgungswerk

Versorgungswerk-Berufsunfähigkeit greift erst bei vollständiger BU (oft abstrakt geprüft). Private BU schon ab 50 % Berufsunfähigkeit. Bei längerer Krankheit: PKV-Krankentagegeld muss die Lücke schließen. Wer nur das Versorgungswerk hat, riskiert Monate ohne Einkommen bei einer 60-%-BU.

Konkret: Beispiel: Bandscheibenvorfall, BU-Grad 60 %. Versorgungswerk: keine Leistung (erst bei 100 %). Private BU mit 50-%-Klausel: volle Rente. Differenz für 5 Jahre Berufsunfähigkeit bei 4.000 € BU-Rente: 240.000 €.

Mein Standard

Vor jedem Antrag: anonyme Risikovoranfrage.

Bevor irgendein Antrag mit Deinem Namen rausgeht, prüfe ich anonym bei mehreren Versicherern, ob und zu welchen Bedingungen Du angenommen wirst. Das vermeidet zwei Risiken: Ablehnungen, die später im zentralen Melderegister stehen — und Risiko-Zuschläge, die vorschnell akzeptiert werden, obwohl ein anderer Versicherer Dich ohne Zuschlag nimmt.

Bei Versorgungswerk-Mitgliedern besonders wichtig: Eine Ablehnung beim "falschen" Versicherer kann den Wechsel zu einem wirklich geeigneten Heilberufe-Tarif später erschweren. Reihenfolge ist entscheidend.

Wann ich von einem Wechsel abrate

Wann GKV auch bei Versorgungswerk-Mitgliedern die ehrlichere Wahl ist.

Der GKV-Ruhestand-Nachteil ist real — aber es gibt Konstellationen, in denen ich PKV dennoch nicht empfehle:

  • Junge Kammerberufler vor Familiengründung mit mehreren absehbaren Kindern und Partner ohne eigenes Einkommen: Die GKV-Familienversicherung ist beitragsfrei. In der PKV braucht jedes Kind einen eigenen Vertrag. Bei zwei Kindern und Elternzeit-Phasen kann die GKV in den ersten 8–12 Berufsjahren 150–300 € pro Monat günstiger sein — das ist ein Zeitwert-Argument, das die PKV langfristig erst nach dem 45. Lebensjahr überholt.
  • Vorerkrankungen mit teuren Risikozuschlägen oder Ausschlüssen: Wenn die anonyme Risikovoranfrage zeigt, dass kein Versicherer ohne wesentliche Einschränkungen annimmt, kann die freiwillige GKV mit vollem Leistungsumfang wirtschaftlich überlegen sein.
  • Angestellte Versorgungswerk-Mitglieder knapp unter JAEG: Wer als angestellte Anwältin oder angestellter Steuerberater unter 77.400 € verdient, ist GKV-pflichtig — und das Versorgungswerk ändert daran nichts. Hier gibt es keine Wahlfreiheit.

Die GKV-Falle im Alter ist das stärkste Argument für PKV in dieser Berufsgruppe — aber nicht das einzige Argument, das zählt.

PKV · Häufige Fragen

Was Versorgungswerk-Mitglieder zur PKV am häufigsten fragen.

Ich bin im Versorgungswerk — kann ich überhaupt in die PKV?

Ja, in den meisten Fällen. Selbstständige in Kammerberufen sind nicht gesetzlich krankenversicherungspflichtig (das Versorgungswerk regelt nur die Renten-/BU-Vorsorge, nicht die Krankenversicherung). Du kannst frei zwischen freiwilliger GKV und PKV wählen. Bei den allermeisten Versorgungswerk-Mitgliedern ist die PKV langfristig die wirtschaftlich richtige Wahl — vor allem wegen der GKV-Falle im Alter.

Was passiert, wenn ich angestellt arbeite — z.B. als Anwältin in einer Sozietät?

Angestellte Versorgungswerk-Mitglieder sind in der Regel von der GRV-Pflicht befreit, aber krankenversicherungstechnisch wie normale Angestellte zu behandeln. Bei Einkommen über JAEG (77.400 €) → PKV-Wechsel möglich. Darunter: GKV-Pflicht. Die Versorgungswerk-Logik ändert daran nichts — sie wirkt auf Renten und BU, nicht auf KV.

Wie wird die GKV-Beitragsfalle im Alter konkret berechnet?

Im Ruhestand zählen bei freiwillig GKV-Versicherten alle Einkünfte zur Beitragsbemessung — bis zur BBG (2026: 5.812,50 €/Monat). Versorgungswerk-Rente, Vermietung, Kapitalerträge, Renten, Honorare. Wer eine Versorgungswerk-Rente von 5.000 € + 2.000 € Miete bekommt, liegt mit 7.000 € deutlich über BBG → Höchstbeitrag fällig (2026: bis zu ~1.261 € im Monat inkl. Pflege). Bei PKV: einkommensunabhängig, fester Tarifbeitrag.

Was ist die anonyme Risikovoranfrage?

Vor jedem PKV-Antrag prüfen wir bei mehreren Versicherern anonym (ohne Deinen Namen), ob und zu welchen Bedingungen Du angenommen wirst. So vermeidest Du Ablehnungen, die später als 'auffällig' im zentralen Melderegister auftauchen können. Standard bei mir — und besonders wichtig bei Versorgungswerk-Mitgliedern, weil eine Ablehnung vom 'falschen' Versicherer den Wechsel zu einem geeigneten Heilberufe-Tarif erschweren kann.

Welche Versicherer sind für Versorgungswerk-Mitglieder besonders relevant?

Versicherer mit besonderen Heilberufe-Tarifen oder hoher AHB-Deckung (Allianz, Hallesche, LKH, Universa, SDK), je nach Berufsgruppe und Risikoprofil. Pauschale Empfehlungen kosten Geld — die richtige Auswahl ist eine Frage der konkreten Konstellation (Alter, Vorerkrankungen, Einkommen, Familienplanung).

Kontakt

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